Aus der Sitzung der Bezirksvertretung Chorweiler
Unterm Strich viele offene Fragen“
„Vertreter der Kölner Bezirksregierung drückten sich“
„Soll die statistische Mittelwertbildung der Luftmessergebnisse bewusst täuschen?“
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Köln-Chorweiler/Bezirksrathaus
Auf Antrag der SPD-Fraktion wurde zu Beginn der Bezirksvertretungssitzung eine aktuelle Stunde zum "Großbrand bei der Ineos GmbH Köln-Worringen und Abwicklung von Großschadensereignissen im Kölner Norden" durchgeführt.  Herr Kircher (stellv. Bezirksbürgermeister) führte durch die Sitzung und begrüßte auch die ungewöhnlich zahlreich erschienenen Bürger.

Nachdem die Parteien den anwesenden Vertretern der Ineos, des Gesundheitsamtes, der Berufsfeuerwehr Köln, der Polizei Chorweiler sowie dem Presse- und Öffentlichkeitsamt ihre Fragenkataloge vorgestellt haben, hatten diese Gelegenheit, ein Statement abzugeben.


Direkt zu Beginn führte Herr Dr. Giefers (Ineos) allgemeine Dinge auf - zu Ineos, zur Pipeline etc. Als Resumee stellte er fest, dass es keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen und keine Verletzten gegeben habe, die Alarmierungs- und Gefahrenabwehrpläne hätten wie vorgesehen (Zitat: "Alle waren gut vorbereitet.") und die Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei habe gut funtioniert. Als Ausblick für die Zukunft sei ein verstärkter Dialog mit Anwohnern, Einsatzkräften, Politikern etc. geplant. 

Herr Feyrer, stv. Leiter der Berufsfeuerwehr, gab in sehr prägnanten Worten zum einen die Chronologie des Störfalles wieder sowie eine Beschreibung der einzelnen ergriffenen Maßnahmen. Nach seinen Worten wurde der Störfall zeitweise als "Ereignis nach D3" eingestuft, d. h. eine "Gefährdung der Öffentlichkeit außerhalb des Werkes ist nicht ausgeschlossen". Diese

Einstufung wurde um 01:30 Uhr am 18.03.08 wieder aufgehoben. Er schloss mit den Worten "Wir können zufrieden sein, dass die Feuerwehr löschen konnte."

Herr Dr. Leidel vom Gesundheitsamt gab Informationen zu den Messwerten. Neue Erkenntnisse gab es da eigentlich nicht. Seines Erachtens sind aber die drei sehr hohen Messwerte fehlerhaft. Die Ergebnisse aus den Bodenmessungen sind ja bekanntlich unbedenklich. Allerdings gilt

diese Unbedenklichkeit nur für ab dem Datum der Erdreich- und Pflanzennahme dem 25.03.! Eine Grundwassergefährdung schließt das Gesundheitsamt im Einvernehmen mit der Rheinenergie entgegen der Meinung der „Grünen“ aus.

Es folgten noch Statements der andereren Anwesenden. Herr Freund (Polizei Chorweiler) berichtete u. a., dass die Beweisaufnahme erst am 2. Tag nach dem Störfall beginnen konnte und noch keine Aussage möglich sei, da diese wegen der laufenden Ermittlungen mit der Staatsanwaltschaft Köln abzustimmen sei. Frau Bredehorst (Leiterin Soziales, Integration und Umwelt) wies darauf hin, dass die Zuständigkeit ganz allein bei der Bezirksregierung liege - die wohlgemerkt trotz mehrfacher Einladung - nicht bei der Sitzung vertreten war. Herr Timmer und Frau Schürmann vom Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gaben noch einen Einblick in die Abwicklung der Pressearbeit mit Presseberichten, Bürgertelefon, Internet, Radio etc.

Herr Dr. Bister von Ineos hatte das Schlusswort. Er betonte, dass ein hoher Stand der Sicherheit existiere aber ein allerletztes Restrisiko nicht ausgeschlossen werden könne. Die Pläne für den Katastrophenschutz hätten gegriffen.

Zwischen den einzelnen Statements nahmen immer wieder die einzelnen Vertreter der Parteien die Gelegenheit war, wichtige Zwischenfragen und Kommentare abzugeben. So wurde u. a. auch ganz entschieden die Einschätzung von Herrn Dr. Leidel bezüglich der drei hohen evtl. falsch gemessenen Werte von Acrylnitril zurückgewiesen. Frau Wittsak-Junge vom Bündnis90/Grüne trat Dr. Leidels Einschätzung mit den Worten entgegen, dass es ja schließlich auch höhere Werte entlang der Alte Straße und anderen zu verschiedenen Zeitpunkten gab, die dann auch falsch gewesen sein müssten. Auch eine Grundwasseruntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt wurde gefordert genauso wie zum Beispiel der Sandaustausch in den Sandkästen der Spielplätze und der Kindertagesstätten als "Good will Aktion". 

Die Bezirksvertretung Chorweiler beschloss am Ende der Sitzung die Sache zur weiteren Behandlung an den zuständigen Fachausschuss, den Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Grün, zu überweisen. Nach gut zwei Stunden - und ohne wirklich neue Erkenntnisse - beendete Herr Kircher die "Aktuelle Stunde" mit dem Hinweis, dass alle vorgebrachten Fragen und hunderte anderer, die aus Zeitmangel nicht vorgetragen werden konnten, von den zuständigen Behörden schriftlich und zeitnah beantwortet würden. So können wir weiterhin nur abwarten.

Obwohl die Bezirksregierung am Mittwoch veröffentlichte, dass das Risiko einer Krebserkrankung auf 1:50.000 einzuschätzen sei (d. h. 1 Bürger von 50.000 könnte evtl. im Fall der Fälle erkranken), bleibt doch die Art und Weise wie dies errechnet wurde unseres Erachtens noch fraglich, da man 500 Werte -die meisten um 0 ppm- auf 120 Stunden rechnete. Der Einwand des Bürgerverein Roggendorf/Thenhoven scheint da einleuchtender:

Zitat Bürgerverein Rog./Then.: „Man hat sich statt dessen hinter der statistischen Mittelwertbildung versteckt. Dabei handelt es sich bei einer solchen statistischen Aussage um eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit. Wenn Sie Ihre Hände auf vier neben einander liegende Herdplatten legen, von der eine an (100°) und drei aus (10°) sind, dann haben diese Herdplatten eine statistische Wärme von 32,5°, was ja noch ungefährlich und statistisch völlig korrekt ist. Trotzdem ist die Handfläche, die auf der heißen Herdplatte lag sofort verbrannt..“!

Zurzeit bemüht sich der Worringer Bürgerverein intensiv um Klärung in weiteren Gesprächen, die diese Woche u. a. auch mit dem OB Schramma in Worringen geplant sind. Unmittelbar nach der kläglichen Abwesenheit der eigentlich zuständigen Bezirksregierung auf der BV-Sitzung äußerte sich Bernd Jansen,  Vorsitzender des Worringer Bürgervereins, in einem WDR-Interview zu recht mit den Worten „Ich finde so kann man mit den Bürgern nicht umgehen!“.

Am 14.04.2008 um 14:00 Uhr wird  eine "Sondersitzung des Umweltausschusses zum Ineos-Brand in Köln-Worringen" im Worringer Vereinshaus stattfinden. Alle interessierten Bürger sind auch dazu eingeladen und können weiterhin Fragen dafür an
redaktion@worringenpur.de  senden, die dann weitergeleitet werden.

Für das am 28. Mai stattfindende „Bürgerforum“, in dem sich erstmals die Bürger selbst mündlich äußern dürfen sammelt der Bürgerverein bis Ende April bereits jetzt Fragen, die an die eMail-Adresse
fragen@worringen.de  geschickt werden können.

Derzeit liegt dem Bürgerverein noch immer keine Zusage der Bezirksregierung Köln vor, an einer der geplanten Gespräche teilzunehmen!

WorringenPur.de/11.04.2008
Bericht: Heike Matschkowski und Gabi Pfeil-Theis
Fotos: Heike Matschkowski