Alle Berichte zum Großbrand bei der INEOS Köln-Worringen am 17.03.2008

    01. Feuer nach Undichtigkeit in Ethylenrohrleitung 1 /  vom 17.03.2008   lesen
    02. Feuer nach Undichtigkeit in Ethylenrohrleitung 2 / vom 17.03.2008  
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    03. Feuer auf Acryl-Nitril-Tank übergegriffen – Schaumteppich wird gelegt / vom 17.03.2008  
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    04. Worringen in Angst - Wieviel giftiges Acrylnitril tritt aus? /  vom 18.03.2008 
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    05. INEOS Aktuell - Vorsorgemaßnahmen für Köln-Worringen aufgehoben / vom 18.03.2008  
    lesen
    06. Anwohner beschweren sich über chaotische Straßensperrungen - Polizei nimmt Stellung / vom 19.03.2008  
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    07. INEOS Aktuell - Schaumflocken - Feuer bei INEOS Köln / vom 19.03.2008  
    lesen
    08. Noch immer keine Analyse der Schaumflocken erfolgt - Kunststoffkugeln sollen Abflocken verhindern! / vom 21.03.2008  
    lesen
    09. Klare Worte vom Bürgermeister der Stadt Dormagen zum Störfall bei der Firma INEOS / vom 21.03.2008  
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    10. INEOS Aktuell - Anfallender Löschschaum / vom 21.03.2008 
    lesen
    11. INEOS Aktuell - Unabhängiger Umweltgutachter entnimmt Bodenproben / vom 25.03.2008  
    lesen
    12. Verehrte Leser, - Schadstoff-Werte deutlich erhöht - "Leicht erhöhtes Krebsrisiko" / vom 03.04.2008  
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    13. Weitere Erkenntnisse zum Großbrand bei der Ineos
         Ergebnisse der Boden- und Pflanzenanalysen liegen vor
         Erklärung zum Störfall INEOS am 17.03.08 - Gesundheitsdezernat informiert / vom 04.04.2008
     
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    14. Stadt-Koeln.de mit Luftmesswerte / Daten vom April 2008  
    als PDF-Datei
    15. Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Köln / BV-Brief vom 09.04.2008  
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    16. Stellungnahme der Landwirte zur Bodenanalyse Ineos - “Grüne” fordern spätere Wasseranalysen /  vom 09.04.2008  
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    17. War die Stadt über Teil-Evakuierung nicht informiert?
         Warum wurden einige Worringer evakuiert und hunderte andere nicht? / vom 09.04.2008
     
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    18. Bezirksregierung / LANUV: Folgen der Werte /  Daten vom April 2008  
    als PDF-Datei



01
Feuer nach Undichtigkeit in Ethylenrohrleitung
Fotos zum Vergrößern!

Köln-Worringen/INEOS
Um 15:20 Uhr teilte Herr Dr. Giefers, Kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der INEOS Köln GmbH der Redaktion

WorringenPur folgendes mit:

Am heutigen Montag, den 17.03.2008, kam es gegen 14:30 Uhr bei der INEOS Köln in einer Ethylenrohrleitung zu einer Undichtigkeit, bei der sich das austretende Ethylen entzündete. Starke Flammen- und Geräuschentwicklung ist derzeit die Folge. Das Gelände,  Abfahrten nach Roggendorf/Thenhoven und Worringen sowie die Zufahrt auf die A57 Richtung Köln wurden abgesperrt. Die Werks- und Berufsfeuerwehr steht derzeit noch in den Bemühungen das mit 80bar Druck austretende Ethylen zu löschen. Es wird empfohlen Türen und Fenster sicherheitshalber vorerst geschlossen zu halten.
Für Mitarbeiter, die durch das aktuelle Ereignis unter Schock gerieten, wurde von der Firma INEOS sofort ein Psychologischer Betreuungsdienst eingerichtet. Es wurden weder Verletzte noch Vermisste gemeldet.

Das Ethylen verbrennt gefahrlos zu Wasser und Kohlendioxid.

WorringenPur.de/17.03.2008 16:15 Uhr
Bericht: Heike Matschkowski
Fotos: Wolfgang Bovelett und Heike Matschkowski

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02

Feuer nach Undichtigkeit in Ethylenrohrleitung

Köln-Worringen, 17.03.2008
Am heutigen Montag, 17.03.2008, gegen 14:30 h kam es zu einer Undichtigkeit an einer Ethylen-Rohrleitung. Dies führte zu einer starken Feuer- und Rauchentwicklung. Als Folge kam es zu einem Brand an einem benachbarten Tank. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Behörden wurden unterrichtet. Die Feuerwehr ist vor Ort mit der Brandbekämpfung beschäftigt.

Bitte bleiben Sie in geschlossenen Räumen und halten Sie Fenster und Türen geschlossen, bis Sie den Sirenen-Signalton „Entwarnung“ hören. Dies ist ein lang anhalternder Ton.

Pressemitteilung der INEOS Köln/17.03.2008 16:40 Uhr

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03
Feuer auf Acryl-Nitril-Tank übergegriffen – Schaumteppich wird gelegt
Feuer nach Undichtigkeit in Ethylenrohrleitung
Fotos zum Vergrößern!

Köln-Worringen/INEOS
Um 20:00 Uhr teilte Herr Dr. Giefers, Kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der INEOS Köln GmbH der Redaktion WorringenPur weitere Informationen zum aktuellen INEOS-Störfall mit.

Der Brand des aus der
Rohrleitung austretenden Ethylens dauert noch an. Da das Ethylen mit enormem Druck austritt, ist die Löschung für die Feuerwehrkräfte enorm erschwert. Entlang der Rohrleitung sind ca. alle 4 km Schieberegler angebracht, von denen eins geschlossen wurde, um die weitere Zuleitung von Ethylen zu unterbinden. Das restliche noch ausströmende Ethylen wird nun, so hofft die Unternehmensleitung –voraussichtlich noch am heutigen Abend- abbrennen und das Beenden der Feuer- und Rauchentwicklung einleiten.


Das Feuer an der Ethylenleitung hatte zwischenzeitlich auf einen
Acryl-Nitril-Tank übergegriffen, der ebenfalls in Brand geriet und starke Rauchentwicklung zur Folge hatte. Derzeit wird ein Schaumteppich auf den ACN-Tank gelegt, der ebenfalls in Kürze für das Einstellen der Feuer- und Rauchentwicklung sorgen soll.

Viele Gerüchte kursieren. Doch nach Aussage von Herrn Dr. Giefers hat das Feuer weder einen Blausäure-Tank gefährdet noch auf ein anderes Silo übergegriffen. Es besteht und bestand keine Explosionsgefahr noch wurden weitere chemische Einrichtungen gefährdet. Derzeit gibt es jedoch keine detallierten Informationen über die Schadenshöhe, wie viel Ethylen ausgetreten ist oder wie es zu der Undichtigkeit überhaupt kommen konnte.

Anmerkung der Red.:
Für die im Einsatz befindlichen Kräfte standen aus vorsorglichen Sicherheitsgründen 50 Krankenwagen bereit, deren Sirenen teilweise für Verwirrung in der Bevölkerung sorgten. Ein Werks-Feuerwehrwagen fährt derzeit durch die Straßen, um die Worringer Bevölkerung vorsorglich zu bitten, alle Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie in den Räumen zu bleiben bis der lang anhaltende Sirenenton zu hören ist.

Die Ethylenrohrleitung, die von Marl nach Antwerpen gelegt ist, wird von der INEOS Köln zur Einspeisung von produziertem Ethylen (für die Kunststoffherstellung)  genutzt und führt unter der Autobahn A57 her, die seit Stunden voll gesperrt ist. Der S-Bahnverkehr von Worringen Richtung Dormagen ist ebenso gesperrt. Derzeit ziehen noch immer dicke schwarze Rauchwolken über Teile von Worringen hinweg, Richtung Köln.

Für Fragen aus der Bevölkerung hat das Unternehmen eine Hotline eingerichtet, die wie folgt lautet: 02133-51-99333

WorringenPur.de/17.03.2008 21:25 Uhr
Bericht: Heike Matschkowski

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04
Worringen in Angst
Wieviel giftiges Acrylnitril tritt aus?
Fotos zum Vergrößern!

Köln-Worringen
Nach dem gestrigen Störfall bei der INEOS Köln gab es bisher keine Entwarnung. Bei einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der INEOS,

gestriger Tag 170308

heutiger Vormittag 180308

Herrn Dr. Patrick Giefers, am Montag um 23:20 Uhr wurde der Red. WorringenPur mitgeteilt, dass die Ethylenrohrleitung nicht mehr brennt. Doch der Tank, der giftiges Acrylnitril beinhaltete brannte nach wie vor (nicht das Acrylnitril selbst!). Der erste Versuch mittels eines Schaumteppichs den ACN-Tank zu löschen schlug wegen mangelnder Wassermengen fehl. Daher mussten große Wassermengen aus dem Rhein und  aus den umliegenden Hydranten in Worringen herangeschafft werden, um mit Hilfe von Spezialgeräten, die zusätzlich vom Düsseldorfer Flughafen z. V. gestellt wurden, die Menge Löschschaum herzustellen. Die Wasserbeschaffung erfolgte über Feuerwehrwagen. Der reibungslose Ablauf sollte durch die von der Polizei gesperrten Straßen gesichert werden, die aber auch Schaulustige davon abhalten sollten gedankenlos Richtung INEOS über Bahngleisen zu laufen.

Durch die fehlende Information bzgl. der gestrigen Straßensperren, die eine Ausfahrt aus Worringen nur noch über eine Straße ermöglichte, war die Bevölkerung -besonders rund um die Alte Straße- in Angst versetzt und das Telefon bei WorringenPur stand nicht mehr still. Auf die Entwarnung mittels der Sirene wartet man bisher noch vergeblich.

Am heutigen Dienstag morgen erfuhren wir aus diversen Stellen, dass neueste Luftmessungen leicht erhöhte Grenzwerte überschritten hatten. Obwohl weder von Polizei noch von Feuerwehr dies bestätigt werden durfte, vermuten wir einen leichten Gasaustritt an dem gelöschten ACN-Tank.

Derzeit findet eine Pressekonferenz bei der INEOS Köln statt, über deren Inhalt wir Sie in Kürze unterrichten werden.

Weitere Informationen am Bürgertelefon der Feuerwehr, Ruf 0700/0221-1111 oder unter der Hotline der Firma INEOS Ruf 02133/5199333.

Die Feuerwehr rät weiterhin Fenster und Türen noch geschlossen zu halten!

WorringenPur.de/18.03.2008  11:50 Uhr
Fotos und Bericht: Heike Matschkowski

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05

Aktuell
Vorsorgemaßnahmen für Köln-Worringen aufgehoben
Feuer bei INEOS Köln

Köln-Worringen
Um ca. 14.30 Uhr am 17. März 2008 kam es aufgrund einer Undichtigkeit an der Hauptrohrleitung, die das INEOS-Werk in Köln mit Ethylen versorgt, zu einem Brand. Ein Vorratstank nahe der Leckage fing ebenfalls Feuer. Etwa 600 Feuerwehrleute waren sofort in und um die Anlage im Einsatz, unterstützt von weiteren 600 Hilfskräften.

Die Ethylen-Rohrleitung wurde isoliert, das Feuer gegen 19.00 Uhr gelöscht. Das Feuer am Acrylnitriltank war um 23.50 Uhr unter Kontrolle. Die Feuerwehr blieb vor Ort, um den Tank weiterhin zu kühlen und unter Beobachtung zu halten.

Es kam niemand zu Schaden, wenngleich außerhalb des Werkes zwei Mitbürger wegen Hautirritationen ärztlich versorgt wurden. Diese sind nach kurzer Beobachtung aus dem Krankenhaus entlassen worden.

INEOS führte kontinuierliche Luftmessungen außerhalb der Anlagen durch. Dabei waren am heutigen Morgen an drei Stellen leicht erhöhte Messwerte festgestellt worden, so dass vorsorglich die Warnung der Bevölkerung in Köln-Worringen aufrechterhalten wurde, in den Häusern zu bleiben, Fenster und Türen geschlossen zu halten und auf weitere Mitteilungen der lokalen Medien zu warten.

Die Sperrung der Autobahn A 57 zwischen Dormagen und Köln-Worringen und der Bahnlinie ist in der Nacht aufgehoben worden.

Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Vorsorgemaßnahmen durch die Stadt Köln aufgehoben sind. Die technischen Maßnahmen zur Störungsbeherrschung waren erfolgreich. Es ist mit keiner weiteren Gefährdung der Anwohner zu rechnen.

Wir bedauern sehr, dass es zu diesen Unannehmlichkeiten gekommen ist und danken Ihnen für Ihre Geduld und Ihr Verständnis.

Dr. Patrick Giefers
INEOS Köln GmbH
Geschäftsführung / Works Manager
Pressemitteilung der INEOS KÖLN, 18.03.2008, 20:10 Uhr
Foto: WorringenPur.de

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06
Anwohner beschweren sich über chaotische Straßensperrungen
Polizei nimmt Stellung

Köln-Worringen
Der Störfall bei der INEOS Köln hatte großräumige Straßensperrungen für Worringen zur Folge. Während das Telefon unserer Redaktion WorringenPur seit Montagnachmittag wegen der vielen Anrufe nicht mehr stillsteht, gingen parallel dazu viele eMails ein, von denen wir zwei als Leserbriefe veröffentlichen möchten, da sie die Inhalte vieler eMails widerspiegeln. Zeitgleich haben wir die Polizei Köln um eine Stellungnahme dazu gebeten, die am gestrigen Dienstagabend exklusiv vorlag und im Anschluss an die Leserbriefe hier veröffentlicht wird. An dieser Stelle bedankt sich die Redaktion WorringenPur für die äußerst schnelle Informationsbereitschaft der Pressestelle der Kölner Polizei.

Leserbriefe vom gestrigen Dienstag, den 18.03.2008 zum INEOS-Störfall bzgl. des Verhaltens der Polizei Köln hier lesen!

Alte Str. 17.03.2008
Eingang 150 vom 18.03.2008
Straßensperrungen in Worringen am Montag
“Die Meldungen im Radio waren beängstigend, aber auch eindeutig. "Schließen Sie die Fenster und halten Sie sich nach Möglichkeit nicht im Freien auf." Als ich um kurz nach 18 Uhr von der Arbeit nach Hause fuhr, wollte ich genau dies tun. Bis zum Ortseingang Worringen kam ich recht problemlos, dann stand ich plötzlich in einer langen Autoschlange vor einem quer stehenden Polizeiwagen. Die beiden - ortsunkundigen - Herren in grün leiteten den Verkehr wieder zurück auf die ohnehin völlig verstopfte B 9. Auf meine Frage, wie ich denn nach Hause kommen sollte (ich wohne im Ortskern von Worringen) zuckte der Angesprochene mit den Schultern und antwortete, mit dem Auto käme da keiner weiter, ich sollte den Wagen irgendwo abstellen und zu Fuß gehen. Meinen Einwand, genau davor sei aber doch im Radio gewarnt worden, tat er ab mit der Bemerkung, er müsse ja schließlich auch draußen stehen.
Ich bin dann also ca. 2 km zu Fuß gelaufen und diese Strecke auch heute Vormittag wieder retour, denn trotz erneuter Warnungen musste ich ja zur Arbeit.
Sollte mich irgendwer über den Sinn und Zweck dieser Straßensperrung, die übrigens in keiner Radiomeldung erwähnt wurde, aufklären können, würde ich mich freuen. Vielleicht kann ich ja aufhören, mich darüber aufzuregen, wenn ich den Grund verstehe.

Mit freundlichem Gruß
Jutta Kohaupt

Eingang 151 vom 18.03.2008
Betrifft: Straßensperrungen der Polizei, Störfall INEOS
Ich muss da zu was loswerden. Was bei dieser Störung abgeht ist irre. Gestern Abend wollten unsere Gesetzeshüter mich nicht nach Hause lassen. An der Ecke St.Tönnisstr./In der Lohn war Ende. Es nutzte kein Ausweis, es hieß nur ich darf Sie nicht zu An den Kaulen durchlassen. Ich sollte mir einen Parkplatz suchen und zu Fuß nach Hause gehen!?!? Man sollte doch Türen und Fenster geschlossen halten und sich nicht im Freien aufhalten. Aber zu Fuß nach Hause gehen scheint da doch in Ordnung zu sein, da kann man sich nur wundern!!!!
Aber ich bin ja nicht dumm, versuchte es hinten rum. Über B9 und Dornstrasse war dann der Weg nach Hause frei, in dieser Ecke war weder Polizei noch Feuerwehr zu sehen. Als ich heute Mittag zu Arbeit fuhr stand schon wieder ein Großaufgebot der Polizei an der B9/Ecke Alte Neusser Landstrasse.

MfG
Ralf Loesch


Dazu die Stellungnahme der Polizei Köln, vertreten durch Herrn POK Christoph Gilles:

Guten Abend Frau Matschkowski,

zunächst einmal möchte ich mich herzlich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie uns vorab die Gelegenheit einräumen, uns zu den dargestellten Sachverhalten zu äußern, bevor Sie diese auf ihrer Seite einstellen. Wie ich Ihnen bereits am Telefon sagte, kann ich mich selbstverständlich nicht zu einzelnen Inhalten dieser Emails einlassen. Hierzu müssten natürlich zunächst auch die betreffenden, an den Sperrstellen eingesetzten Beamtinnen oder Beamten gehört werden.

Wenn die sich auf Ihrer Internetseite beschwerenden Bürger im Einzelfalle Wert auf eine entsprechende individuelle Würdigung legen sollten, möchte ich diese bitten, den offiziellen Beschwerdeweg zu beschreiten. Das heißt, sie müssten ihre Beschwerden postalisch oder online unmittelbar an ihren eigentlichen Adressaten, die Polizei Köln, senden. Diese Vorgänge würden dann an unser Beschwerdemanagement gesteuert und dort bearbeitet.

Unsere Erreichbarkeiten lauten:
Polizeipräsidium Köln
Walter-Pauli-Ring 2-4
51103 Köln
info@polizei-koeln.de

Allgemein möchte ich Ihnen jedoch zum gestrigen Einsatzszenario folgendes erläutern:

In allererster Linie handelte es sich bei dem Schadensfall in Worringen um eine sogenannte Feuerwehrlage. Die Polizei war hier im wesentlichen zuständig für die äußere Absicherung bzw. Verkehrslenkung. Diese Maßnahmen erfolgten jeweils auf der Grundlage der seitens der Feuerwehr erhobenen Messwerte und der diesbezüglichen Richtlinien.

Grundsätzlich wird bei solchen Einsätzen unterschieden zwischen potentiellen und echten Gefahrenbereichen. Im potentiellen Bereich ist eine akute Gesundheits-gefährdung anhand der Messwerte zunächst nicht erkennbar.  Präventiv werden dann jedoch bereits Teilsperrungen vorgenommen, allein schon, um die ungehinderte Arbeit der zahlreichen Feuerwehr- und sonstigen Hilfskräfte zu gewährleisten.

Konkret bedeutet das, dass zwar der Durchgangsverkehr im Raum Worringen unterbunden bzw. abgeleitet wird, Anwohner jedoch mit ihren Kraftfahrzeugen ihre Häuser anfahren dürfen. Die Bitte der Feuerwehr an die Bürger, sich nach Möglichkeit nicht im Freien aufzuhalten sowie Fenster und Türen zu schließen, hat in dieser Phase also eher präventiven Charakter. Hieran haben sich jedoch die eingesetzten Polizeikräfte zu orientieren.

Im Falle einer echten Gefahrenlage, in der man definitiv von einer Gesundheits-gefährdung hätte ausgehen müssen, wären die betroffenen Bereiche jedoch voll gesperrt worden, also auch für die Anwohner und andere Berechtigte. Im Extremfall wären diese Bereiche nach Maßgabe der Feuerwehr gegebenenfalls geräumt worden.

Seitens der Polizei waren am Montag (17. März) letztlich mehrere Hundert Beamtinnen und Beamte verschiedener Dienststellen mit dem Ziel eingesetzt, größtmögliche Sicherheit für die Betroffenen zu gewährleisten.

Im Rahmen des Großeinsatzes ist es zu unserem Bedauern an einzelnen Sperrpunkten zu Missverständnissen gekommen hinsichtlich der Frage, ob dort aktuell eine potentielle oder eben echte Gefahrenlage angenommen wurde. Darüber hinaus war eine Kontrolle bzw. Sperrung sämtlicher Zufahrtsstraßen und –wege mit den zunächst zur Verfügung stehenden Kräften nicht zu gewährleisten. Somit musste die Polizei ihre Maßnahmen zunächst auf die Hauptdurchgangsstraßen beschränken.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen etwas Klarheit verschafft zu haben, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Christoph Gilles
Polizeipräsidium Köln
Leitungsstab – Pressestelle
www.polizei-koeln.de

WorringenPur.de/19.03.2008
Foto: WorringenPur

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07

Aktuell
Schaumflocken
Feuer bei INEOS Köln

Köln- Worringen, 19. März 2008, 11.00 Uhr

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben den Vorratstank, der am 17. März 2008 Feuer gefangen hatte, mit einem Schaumteppich versehen. Dieser ist 6 Meter dick und deckt das sich noch im Tank befindliche Restprodukt ab.

Durch den Wind werden vom obersten Teil dieses Schaumteppichs Flocken weggeweht.
Bei Kontakt mit dem Schaum waschen Sie diesen mit Wasser und Seife ab.

Die Hotline 02133 / 5199333 ist weiterhin für Anfragen frei geschaltet.

Dr. Patrick Giefers
INEOS Köln GmbH
Geschäftsführung / Works Manager

19.03.2008    09:45 Uhr

ecke Alte Str.

Anmerkung der Red. WorringenPur:
Heute morgen um 5:30 Uhr wurde an der Alte Straße ein ungefährlicher Wert von weniger als 0,5 ppm ACN gemessen. Das noch im Tank befindliche restliche ACN wird derzeit abgepumpt. Der darauf befindliche Schaumteppich wird bis zum fertigen Abpumpen  immer wieder erneuert. Die umherfliegenden Schaumflocken werden derzeit noch analysiert.

WorringenPur.de/19.03.2008  11:20 Uhr
Fotos: WorringenPur.de

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08
Sperrzone Ineos 20.03.2008
Worringer weiter im Ungewissen
Noch immer keine Analyse der Schaumflocken erfolgt
Kunststoffkugeln sollen Abflocken verhindern!

Köln-Worringen
Die Worringer haben immer noch Angst. Angst vor den Schaumflocken, die seit Mittwoch morgen nicht nur in den Bäumen und Äckern liegen, sondern vom Wind bis in die Gärten geweht werden. Seit Mittwoch morgen wird die Redaktion WorringenPur immer wieder von besorgten Bürgern kontaktiert, die in großer Besorgnis endlich eine Bestätigung erhoffen, dass dieser Schaum tatsächlich nicht giftig ist. Denn obwohl Geschäftsführung und Pressestelle der INEOS sich telefonisch dahin gehend äußern, dass die Schaumflocken höchstwahrscheinlich ungiftig sind, steht eine Analyse, die dies offiziell bestätigen würde und eine entsprechende schriftliche Mitteilung immer noch aus.

Alte Str. 20.03.2008 gegen 17:00 Uhr
Großeltern, die ihre Enkel aus dem Garten zerren, Kinder die in die Eifel zur Verwandtschaft geschickt werden, ganze Familien die aus lauter Ungewissheit überstürzt aus Worringen abreisen – dies alles muss endlich ein Ende haben und kann es auch nur, wenn INEOS wie auf eigener Internetseite werbend endlich mit totaler Transparenz und detallierter Informationspolitik die unmittelbar betroffenen  Bürger „neben sich“ über die derzeitigen Vorgehensweisen informiert.

Dass man sich nach Kontakt mit dem dubiosem Schaum die Hände waschen sollte, ist wohl jedem klar, dass man aber auf die Analyse seit Mittwoch morgen vergeblich wartet, weil bisher nicht ausreichend Schaumflocken für eine Analyse Alte Str. 20.03.2008 gegen 17:00 Uhrgesammelt werden konnten, mag man kaum glauben, da die großen Flocken auch am gestrigen Donnerstag nicht zu übersehen waren. Davon zeugen auch unsere Fotos.

In einem kurzen Gespräch am gestrigen Donnerstagabend, in dem wir Herrn Dr. Giefers unseren Unmut über die mittlerweile schleppende Informationspolitik seitens Pressestelle und Geschäftsführung offenbarten teilte er entschuldigend folgendes mit:

„Wir arbeiten intensiv und mit Nachdruck daran, den ACN-Tank weiter leer zu pumpen. Leider werden die Pumpen immer wieder durch Dachstücke verstopft. Das Problem mit den Schaumflocken ist uns bekannt und wir versuchen derzeit mit großen Kunststoffkugeln den Schaum zu bedecken, um das Abflocken vom obersten Teil dieses Schaumteppichs zu verhindern. Bei Kontakt ist das einfachste Vorgehen, diesen Schaum mit Wasser und Seife abzuspülen.“

Die Bereitschaft von Herrn Dr. Giefers zumeist und bis in die Nacht hinein telefonisch Auskunft zu geben sei an dieser Stelle lobend erwähnt und auch die weniger glückliche Situation der Pressestelle die wohl erst seit Mittwoch wieder eine Pressesprecherin hat, die sich  erst noch in die Situation einfinden muss.

Auch wenn dies eine Ausnahmesituation für die INEOS ist und damit Informationslücken passieren können, so darf man nicht vergessen, dass gerade die Worringer mit dieser Ausnahmesituation seit vier Tagen leben müssen, insbesondere so lange INEOS sie im Ungewissen lässt.
Und wenn unsere Kinder nach der lang ersehnten “Entwarnung” auf den Spielplatz gehen, möchten wir dies mit der Gewissheit sehen, dass der Sand für sie ungefährlich ist ...

WorringenPur.de/21.03.2008 
Bericht und Fotos: Heike Matschkowski

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09
Klare Worte vom Bürgermeister der Stadt Dormagen
zum Störfall bei der Firma INEOS

Dormagen
Auf der Pressekonferenz der Stadt Dormagen zum Störfall der Firma INEOS bedankte sich  Bürgermeister Heinz Hilgers in allererster Linie bei den zahlreichen hauptamtlichen und freiwilligen Feuerwehrleuten, die bei diesem Großbrand dafür sorgten, dass insgesamt gesehen, nicht mehr passiert ist. Es waren 357 Kräfte der Feuerwehren Dormagen, Rommerskirchen, Grevenbroich, Duisburg, Neuss, Viersen, Meerbusch sowie des THW Mönchengladbach, Neuss, Grevenbroich und Bergheim und des DRK Dormagen, Neuss, Grevenbroich, im Einsatz. All diese Kräfte wurden von der technischen Leitstelle der Feuerwehr Dormagen koordiniert. Dabei konnte als Fazit festgestellt werden, dass die Führungsstruktur hervorragend funktioniert hatte.

"Wir haben in Dormagen wirklich Glück gehabt. Hätte es geregnet oder hätte eine Inversionswetterlage* vorgelegen, wäre es für Dormagen problematischer geworden. Auch die Windrichtung war zumindest für Dormagen gesehen, ein Glücksfall, der Schlimmeres für uns verhinderte, leider aber die Worringer traf.“
v.li.: Werner Rieck (Leiter FW Stadt Dormagen),
Der Bürgermeister warb dafür, mit diesem Störfall offensiv umzugehen, da es gerade im Dormagener Bereich eine große Anzahl an Fachöffentlichkeit gibt. Gemeint sind damit all die ehemaligen oder noch beschäftigten Mitarbeiter von der EC, Bayer usw. Man kann dieser Fachöffentlichkeit nicht verkaufen, dass es völlig ungefährlich war, was da passierte.

Er sprach sich weiterhin dafür aus, dass man den Vorfall gründlich analysieren und dort nachbessern muss, wo man Schwachstellen aufdeckt. Dazu gehört beispielsweise auch die Frage, ob die Sicherheitskonzepte nach denen die zum Teil 30 Jahre alten Anlagen laufen zeitgemäß sind. Die Frage nach einer Verbesserung der Sicherheit durch Erdwälle, Abstandsveränderungen und dem Stand der Technik stellen sich. Auch die Frage, ob baulicherseits ein näher gelegener Schieber als nur ca. alle 20 km zur Absperrung der Pipeline installiert werden kann, drängt sich auf. An der Sicherheit kann und darf nicht gespart werden.

Sabine Voss die Produktverantwortliche der Feuerwehr Dormagen, die ausgebildete Diplomingeneurin für Sicherheitstechnik und Explosionsschutz ist, und die Einsatzleitung der Feuerwehr Dormagen inne hatte, stellte die durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen vor. Man hatte mehrere Szenarien parat, in der man auch vorbereitet hatte, wechselnde Windrichtungen einzubeziehen. Für diesen Fall gab es minutiös ausgearbeitete Pläne, in denen genau festgelegt war, welches Fahrzeug, welchen Weg fahren muss, um die Bevölkerung zu informieren.

Auch ein paar interessante Zahlen fielen am Rande. So wurde durchschnittlich 40.000 Liter Löschwasser pro Minute verbraucht, um zu kühlen und letztendlich auch zu löschen. Alles wurde über Sandsackbarrieren und weitere Sicherheitsmaßnahmen in der werkseigenen Kläranlage aufgefangen.

Insgesamt werden nun aber die Fakten des Einsatzes ausgewertet, um festzustellen, ob und wo es noch Verbesserungspotential gibt. "Was man besser machen kann, werden wir besser machen", sind sich Bürgermeister Heinz Hilgers und Sabine Voss sicher.


* Erklärung der Red. WorringenPur
Inversionswetterlage nennt man eine »austauscharme« Wetterlage, bei der die normalen Luftverhältnisse umgekehrt sind: wärmere Luft unten, kältere Luft oben und bei der kein oder fast kein Wind weht. Es findet also keinerlei Luftdurchmischung mehr statt. Vielmehr legt sich die warme Luftschicht wie ein Deckel über die kältere Luftschicht am Boden. In dieser kälteren Luftschicht sammeln sich immer mehr Schadstoffe an, weil sie nicht nach oben entweichen können. In Ballungsgebieten mit viel Abgasen aus Industrie, Haushalten und Verkehr kann sich die Inversionswetterlage besonders für ältere Menschen und für Kinder gesundheitsgefährdend auswirken.

WorringenPur.de/21.03.2008
Bericht und Fotos mit freundlicher Unterstützung der
Stadt Dormagen

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10

Aktuell
Anfallender Löschschaum

Köln-Worringen, 21.03.2008  11:50 Uhr
Immer noch melden sich besorgte Bürger, die wissen möchten, welche Gefährdung von dem in Worringen anfallenden Löschschaum ausgeht.

Mittlerweile haben wir Analysen dieses Schaumes vorliegen und es konnte kein Acrylnitril nachgewiesen werden. Somit handelt es sich um unbelasteten Löschschaum, der bei Berührung einfach mit Wasser und Seife abgespült werden sollte.
Witterungsbedingt ist auch weiterhin davon auszugehen, dass es zu Verwehungen des Schaumes kommen kann.

Diese Information wird zeitnah in gedruckter Form an die Worringer Bürgerinnen und Bürger verteilt.
Für weitere Informationen stehen wir selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Pressemitteilung der
INEOS Köln GmbH

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11

Aktuell
Unabhängiger Umweltgutachter entnimmt Bodenproben

Köln-Worringen, 25.03.2008, 12.30 Uhr
Unmittelbar nach dem Ereignis vom 17. März sind vereinzelt Bodenproben genommen worden, die auf Rückstände von Acrylnitril untersucht wurden. Alle Ergebnisse der Proben lagen unterhalb der Nachweisgrenze.

Um für die Bevölkerung in Worringen und Umgebung vollständige und umfassende Gewissheit zu erhalten, haben wir in Abstimmung mit den Behörden einen unabhängigen Umweltgutachter beauftragt.

Dieser Umweltgutachter legt anhand der damaligen Windsituation und anderer Parameter ein Probenraster fest, das ca. 20-30 Punkte enthält. Die Proben werden ab Dienstag 25.03.08 genommen und untersucht. Falls Punkte des Probenrasters auf Privatgrundstücken liegen, wird sich der Umweltgutachter mit den Anwohnern direkt und kurzfristig in Verbindung setzen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Über die Ergebnisse werden wir umgehend informieren.

Pressemitteilung der INEOS Köln GmbH
Dr. Patrick Giefers
Geschäftsführung / Works Manager

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12

Verehrte Leser,

bezüglich des Ineos-Großbrand, bei dem giftiges Acrylnitril ausgetreten war gibt es neue Erkenntnisse. Die Red. WorringenPur erwartet in Kürze die Zusendung verschiedener Ergebnisse von Luftmessungen und Bodendaten.

Vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW wurden der Red. WorringenPur bereits Luftmessdaten zur Verfügung gestellt. Im LANUV NRW werden von Betrieben und Anlagen ausgehende Umweltbelastungen und Gefahren, untersucht und beurteilt.

Die Messungen des LANUV-Sondereinsatzes anlässlich des Unfalls bei der Firma Ineos am 17. und 18.03.2008 bei Worringen ergaben folgende
Ergebnisse.

Die aktuellen Daten zu den sehr erhöhten erst jetzt bekannt gewordenen Messwerten werden von uns ebenfalls in Kürze von der Bezirksregierung Köln erwartet. Diese Ergebnisse werden wahrscheinlich folgenden Bericht von Köln.de bestätigen, den man uns kurzfristig von der dortigen Lokalredaktion freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Schadstoff-Werte deutlich erhöht
Ineos-Brand in Köln: "Leicht erhöhtes Krebsrisiko"

Köln
Nach dem Großbrand im Kölner Chemiewerk Ineos vor zwei Wochen hat für die Anlieger vermutlich ein geringfügig erhöhtes Krebsrisiko bestanden. Die Gefährdung bewege sich im Bereich der «Alltagsrisiken», sagte der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, Jan Leidel, am Mittwoch. Sie sei vergleichbar mit dem Risiko, dem sich ein Nichtraucher in einer Raucherkneipe aussetze. Eine wirklich qualifizierte Einschätzung des Krebsrisikos sei allerdings derzeit noch nicht möglich, räumte Leidel ein. Bei dem Brand am 17. März war die Chemikalie Acrylnitril freigesetzt worden, die Krebs verursachen kann.

Am Rande eines Wohngebiets im Stadtteil Worringen wurde während des Feuers an zwei Stellen eine Acrylnitril-Belastung von 20 ppm (parts per million) festgestellt, unmittelbar an der Brandstelle lag die Belastung bei einer Messung bei 18 ppm. Bei den übrigen rund 150 Messungen während und nach dem Brand waren jeweils Schadstoffbelastungen von etwa fünf ppm gemessen worden. Als mögliche Erklärung für die drei «schwer erklärbaren Ausreißer» gab Leidel ein extrem kurzfristiges Freisetzen von viel Acrylnitril oder Messfehler an.

Der Gesundheitsamtsleiter widersprach der Darstellung des WDR, wonach die angegebenen Schadstoffwerte die sogenannte technische Richtlinie für die Chemikalie Acrylnitril um das Siebenfache überschritten. Diese Richtlinie für Arbeiter in der chemischen Industrie gelte nicht mehr. Relevant für den Katastrophenschutz sei ein Wert von 35 ppm, ab dem die Evakuierung von Wohngebieten vorgesehen sei. Der Leiter der Kölner Berufsfeuerwehr, Stephan Neuhoff, verwies darauf, dass Brandbekämpfer erst bei einem Wert von 20 ppm gehalten seien, bei Einsätzen ihre Atemschutzmasken anzulegen.

Allerdings räumte Leidel ein, dass die während des Großbrandes verwendeten Messröhrchen allenfalls eine Schadstoffbelastung von maximal 20 ppm registrieren können. Eine höhere Belastung hätte demnach gar nicht erfasst werden können.

Der Leiter des Gesundheitsamtes verteidigte die Entscheidung, die Bevölkerung zunächst nicht über die drei deutlich erhöhten Messwerte zu informieren. Dazu habe in der Situation kein Anlass bestanden. Während des nächtlichen Brandes seien die Anwohner in ihren Wohnungen sicherer gewesen, als wenn sie kurzfristig auf die Straße gegangen wären, um sich zu Freunden oder Verwandten in andere Stadtteile zu begeben.

Die Auswertung von Bodenproben und die Blutanalysen der unmittelbar am Brandort eingesetzten Feuerwehrleute haben den Angaben zufolge keine Auffälligkeiten ergeben. Bei dem Brand sei die Stadt «noch einmal an einer Katastrophe vorbeigeschrammt», sagte die Kölner Gesundheitsdezernentin Marlis Bredehorst. Dies sei vor allem ein Verdienst der Kölner Feuerwehr gewesen, die ihren größten Einsatz nach Kriegsende bestehen musste. Bei dem Feuer war nach Firmenangaben ein Sachschaden von bis zu 20 Millionen Euro entstanden. Der Brand war im Bereich einer Ethylen-Pipeline ausgebrochen.

WorringenPur.de/03.04.2008
Foto: Heike Matschkowski
Quelle Bericht: koeln.de/ mit freundlicher Genehmigung von E. Franzmann

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Weitere Erkenntnisse zum Großbrand bei der Ineos
Teilevakuierung hat stattgefunden
Kein ACN bei Boden- und Pflanzenanalysen nachgewiesen
Doch erhöhte Schadstoffwerte punktuell gemessen
Warum werden die Bürger so spät informiert?

Köln-Worringen
Seit mehr als zwei Wochen wurden die Worringer Bürger in dem falschen Glauben gelassen, dass während bzw. nach dem Ineos-Störfall am 17.03.2008 keine wesentlich erhöhten Werte gemessen wurden. Erst nach Veröffentlichung der Luftmessdaten des LANUV, die leicht erhöhte Werte an zwei Stellen erkennen ließen (2 ppm Brombeergasse und 5 ppm Further Weg) und nachdem wir Gerüchten nachgegangen sind, dass die am Further Weg wohnenden Bürger sowie das Bistro im Krebelshof von Montag Nachmittag (17.03.) bis Dienstag Vormittag (18.03.) evakuiert worden sind, erhielten wir  am gestrigen Donnerstag eine Information von der Bezirksregierung Köln über die Ergebnisse der Boden- und Pflanzenproben (kein ACN nachgewiesen). Damit wurden die Bodenanalysen der Ineos bestätigt. Die Auswertung der weiteren detaillierten Luftmessungen mit teilweise sehr erhöhten Werten (Alte Str./Gohrer Weg am 18.03.08 um 6:31 Uhr 10 ppm ACN lt. Monitorbericht) steht noch aus und wird von der Stadt Köln bzw. der Bezirksregierung Köln hoffentlich bald  nachgereicht.

WorringenPur.de/Heike Matschkowski/Stand 04.04.2008

Die bisherige Pressemitteilung der Bezirksregierung Köln lautet wie folgt:

Presseeinformation 020/2008
Nach Großbrand im Chemiewerk Ineos
Ergebnisse der Boden- und Pflanzenanalysen liegen vor

BezirksregierungKoeln

Schadstoffgehalte in Boden und Pflanzen unterhalb der Nachweisgrenze

Die Untersuchungsergebnisse der Boden- und Pflanzenproben liegen vor. Nach Bewertung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und die Bezirksregierung Köln können im Umfeld des Chemiewerks keine Belastungen durch Acrylnitril in Boden und Pflanzen nachgewiesen werden.

Auf Acrylnitril untersucht wurden insgesamt 15 Pflanzen- und 20 Bodenproben, die durch die Landwirtschaftskammer und ein unabhängiges Institut an 20 Standorten im Umfeld der Schadenstelle genommen wurden, insbesondere in den Abwindbereichen im Süden und Südosten (Worringen, Roggendorf und Chorweiler).

Die Proben wurden in der Mehrzahl am 26.03.2008 an besonders sensiblen Punkten genommen (Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Sportplätzen), aber auch auf Äckern und Grünflächen. Um die Einwirkungen an Oberflächen zu beurteilen, aber auch gegebenenfalls Auswaschungen zu berücksichtigen, wurden oberflächennah Beprobungen an Pflanzen und parallel im Boden (Untersuchungstiefe 1-10 cm) durchgeführt.

Die Orte der Probenahmen wurden anhand der Windverhältnisse und Ausbreitung während und im Anschluss des Brandes ausgewählt, anhand von Beobachtungen während des Brandes und der begleitenden Luftmessungen der Feuerwehr.

Ergebnisse der Boden- und Pflanzenproben:
Die vorgelegten Analysenergebnisse liegen in allen Fällen unterhalb der Nachweisgrenze, das heißt die Substanz Acrylnitril kann weder in den Pflanzen noch im Boden nachgewiesen werden.

Zu den Luftmessungen:
Die Ergebnisse der Luftmessungen werden zur Zeit noch abschließend ausgewertet. Sie werden unmittelbar im Anschluss an die Auswertung veröffentlicht.

Auch vor einer abschließenden Bewertung ist jedoch festzuhalten, dass nach heutigem Stand die Messwerte keinen Anlass zu der Vermutung geben, dass eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden hat. Zwar sind im Verlaufe des Schadensereignisses auch drei Messwerte der Feuerwehr – von insgesamt mehreren Hundert – bekannt geworden, die im Bereich von über 10 ppm liegen. Aber nur aus mehreren Messwerten kann die Schadstoffbelastung, der eine einzelne Person ausgesetzt ist, abgeschätzt werden. Erst dieser gemittelte Wert ist sinnvoll für eine Bewertung heranzuziehen.

Nach der Ausstrahlung des MONITOR-Berichts erhielten wir am gestrigen Abend folgende Pressemitteilung von der Stadt Köln, die wie folgt lautet:

Donnerstag, 03. 04. 2008, 17:15 Uhr
Erklärung zum Störfall INEOS am 17. März 2008
Gesundheitsdezernat informiert

Bei dem Unfall am 17.03.08 kam es durch den Brand an der Ethylen-Pipeline auch zum Brand an dem nahegelegenen Acrylnitriltank und damit auch zum Austritt und Brand von Acrylnitril.

Acrylnitril ist giftig, haut- und schleimhautreizend und krebserzeugend. Die Luft wurde deshalb während des Brandes und auch an den darauffolgenden Tagen auf Acrylnitril geprüft. Gemessen wurde in unmittelbarer Nähe des Brandes, im großräumigen Umfeld und vor allem im Wohngebiet von Worringen. Von den mehr als 150 Messungen durch die Feuerwehren und das LANUF (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) zeigten nur 3 Messungen am Parallelweg und am Rand des Wohngebietes von Worringen Konzentrationen über 10 ppm. Der höchste Messwert wurde am 18.03.08 um 04:44 Uhr mit über 20 ppm ermittelt. Um 04:04 Uhr wurde 20 ppm gemessen, um 15:45 Uhr wurde 18 ppm festgestellt. 10 Messergebnisse lagen zwischen 3 und 10 ppm.

Bewertungsgrundlagen:

  • Da es sich bei Acrylnitril um einen krebserzeugenden Stoff handelt, gibt es keinen Grenzwert. Hilfsweise wurde die früher gebräuchliche Technische Richtkonzentration (TRK-Wert) von 3 ppm zur Bewertung der Luftmesswerte herangezogen. Die meisten Messwerte lagen unter 3 ppm.
  • Ein weiterer Beurteilungswert ist der AIHA ERPG-1 Wert von 10 ppm (ERPG-Werte, emergency response planning guideline, 1998 von der AIHA , der American Industrial Hygiene Association, herausgegeben). Dabei wird angenommen das nur leichte, vorübergehende Gesundheitseffekte auftreten.
  • Innerhalb einer Stunde können Menschen bis zu 35 ppm (ERPG-2 Wert) ausgesetzt werden, ohne dass ihnen irreversible oder andere gravierende Gesundheitseffekte widerfahren, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen können, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
  • Die Geruchsschwelle für Acrylnitril beträgt 20 ppm.
  • Die Feuerwehr legt Atemschutzmasken an, wenn über längere Zeit Werte über 20 ppm gemessen werden.

Durch das Löschen des Feuers, das Kühlen des Tanks und mit der Auflage eines dicken Schaumteppichs auf den Acrylnitriltank konnte das Austreten von Acrylnitril verhindert werden. Allerdings kam es kurzfristig zu Aufrissen in dem Schaumteppich, was in der Folge zu den obengenannten Konzentrationen geführt hat. Vorsorglich wurde deshalb am Dienstagmorgen, 18. März 2008, wiederum unter Hinweis auf „erhöhte Schadstoffwerte“ die Warnung gegeben, die Häuser nicht zu verlassen und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Bei der Verbrennung von Acrylnitril können auch Stickoxide und Blausäure entstehen. Diese konnten aber nur in wenigen Einzelfällen und in geringen Konzentrationen gemessen werden. Der Großteil der Werte lag unter der Nachweisgrenze. Durch die starke Thermik des Brandes und durch die Wetterlage (böiger Wind) wurden die trotz aller Maßnahmen ausgetretenen Stoffe in der freien Atmosphäre stark verdünnt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es räumlich und zeitlich nur punktuell zu erhöhten Stoffkonzentrationen gekommen ist. Für die in Worringen und Umgebung lebenden Menschen bedeutet dies, dass keine Vergiftungsgefahr durch Acrylnitril bestanden hat. Bei 64 Beschäftigten der Feuerwehr wurden nach dem Einsatz Blutuntersuchungen durchgeführt, es konnten keine erhöhten Werte im Blut festgestellt werden.

Ob ein erhöhtes Krebsrisiko bestanden hat, kann momentan noch nicht ausgeschlossen werden. Dazu laufen noch Untersuchungen durch das LANUF. Das Risiko ist aber mit großer Sicherheit nur sehr gering.

In Worringen und Umgebung wurden auf einigen besonders sensiblen Punkten (Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Sportplätzen) 10 Pflanzenproben und 15 Bodenproben auf Acrylnitril untersucht. Die Orte der Probenahme wurden anhand der Windverhältnisse und Ausbreitung während und im Anschluss des Brandereignisses und den Beobachtungen und Luftmessungen ausgewählt. In keiner der Proben konnte Acrylnitril nachgewiesen werden. Die Nachweisgrenze lag bei 0,02 mg/kg. Die amerikanische Umweltbehörde hat für Acrylnitril im Boden einen Wert von 0,2 mg/kg angegeben. Acrylnitril baut sich im Boden schnell ab, die Halbwertzeit liegt bei ca. einem Tag. Aus dem o.g. Werten ist infolge des Chemieunfalls keine Gesundheitsgefahr für spielende Kinder auf Freiflächen oder den Verzehr von dort angebauten Obst und Gemüse zu besorgen.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Oberbürgermeister der Stadt Köln
Fritz Schramma

Laurenzplatz 4
50667 Köln

 

1. Vorsitzender
Bernd Jansen
Hackhauser Weg 60
50769 Köln – Worringen
Tel.: 0221 / 78 31 81
Fax: 0221 / 820 15 82
Mail:
info@bv-worringen.de



Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Köln

Worringen, 05.04.2008

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

der Bürgerverein Köln-Worringen e.V. grüßt Sie herzlich.

Nur zu Ihrer Erinnerung: Worringen, das ist der Kölner Stadtteil, der ganz weit im Norden von Köln liegt. Worringen ist da, wo am 17.03.2008 der größte Einsatz der Feuerwehr (eigene Angabe der Kölner Feuerwehr) nach dem 2. Weltkrieg stattgefunden hat, als die Ethylen-Pipeline und ein Tank mit Acrylnitril der Ineos Köln GmbH in Flammen standen. Worringen ist da, wo die Bevölkerung während des Großbrandes alleine gelassen, schlecht informiert und, wie wir seit ein paar Tagen wissen, wo von Ihrer Verwaltung bewusst die Wahrheit verschwiegen wurde. Worringen ist da, wo akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestand.

Worringen ist da, wo Sie als Oberbürgermeister für alle Kölner (siehe ihre Antrittsrede im Rat) in einer der schwierigsten Gefährdungslagen nicht gewesen sind, als die Worringerinnen und Worringer Ihre Unterstützung und Ihren Zuspruch gebraucht hätten.

Bei anderen schlimmen Katastrophen erleben wir immer wieder, dass Menschen die Verantwortung tragen und wirklich Verantwortung empfinden, sich an den Ort des Geschehens begeben, um sich aus erster Hand zu informieren, um die Lage einzuschätzen und das persönliche Gespräch mit den Betroffenen zu suchen. Nichts von dem haben wir durch Sie erleben können.

Das empfinden wir nicht nur als mangelnde Wertschätzung, sondern schlichtweg als Missachtung aller Worringerinnen und Worringer und darüber hinaus der Menschen im Kölner Norden insgesamt.  Wir hätten erleben wollen, wenn ein vergleichbares Unglück in Lindenthal, Hahnwald oder bei Ihnen am Egelspfad passiert wäre.
Keine wie auch immer geartete Reaktion zur Bevölkerung im Norden.
Ja, Sie haben den  Rettungskräften, darunter auch unserer bewährten und verlässlichen Freiwilligen Feuerwehr, gedankt für den hervorragenden Einsatz.
Das tun wir auch und zwar nachdrücklich.

Aber wo ist Ihr Schreiben an uns, die Worringer (und nicht zu vergessen die Bevölkerung in Roggendorf /Thenhoven - das sind die, die westlich von uns nahe am Unglücksort leben!! - und dem Kölner Norden überhaupt).  Sie werden einwenden, dass Sie uns als ihren Vertreter den für die Feuerwehr zuständigen Beigeordneten, geschickt haben, wie wir mittlerweile wissen. Aber mit Verlaub, der hatte in dem Moment sicher anderes zu tun, als das, was wir von Ihnen persönlich erwartet hätten. So gerne wir Ihnen die lustigen Termine im Karneval, bei der Abdeckung von Blitzern, bei Grundsteinlegungen und bei Einweihungen gönnen, in der Katastrophensituation wäre nicht nur ihre repräsentative Funktion gefragt gewesen, sondern ihre Funktion als Chef der Stadtverwaltung.

Werter Herr Oberbürgermeister, hier haben sie ein klägliches Bild abgegeben.

Über Ihre Rolle, die Rolle der Stadtverwaltung und Ihr Verhalten und auch das Verhalten der Industrie wird in naher Zukunft in unterschiedlichen Gremien zu reden sein.

Aber: Wir bieten Ihnen Gelegenheit zur Wiedergutmachung: Wir laden Sie hiermit ganz herzlich und ebenso nachdrücklich zu unserem Bürgerforum am 28. Mai 2008, 20.00 Uhr in das Vereinshaus Worringen, St. Tönnisstr. 68 ein, bei dem das Unglück bei der Ineos Thema sein wird.

Wir erwarten von unserem Oberbürgermeister, dass er sich den kritischen Fragen der Anwohner des Kölner Nordens stellt und Verantwortung übernimmt für das Handeln der Stadt während und nach dem Großbrand. Wir erwarten, dass er die Bevölkerung in der Forderung nach Aufarbeitung, offener Kommunikation, Verbesserung des Krisen- und Katastrophenmanagement und Erarbeitung eines Notfallplans für zukünftige Störfälle unterstützt.


Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion mit Ihnen und verbleiben bis dahin

mit freundlichen Grüßen
Bürgerverein Worringen
Für den Vorstand


Bernd Jansen
Vorsitzender

 


Markus Heil
2. Vorsitzender

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Stellungnahme der Landwirte zur Bodenanalyse Ineos
“Grüne” fordern spätere Wasseranalysen

Köln-Worringen
Über die Folgen des Störfalls bei INEOS aus der Sicht der Landwirtschaft berichtet der Worringer Landwirt Günter Hecker:

“Aufgrund des Großbrandes bei der INEOS in Köln-Worringen waren wir Landwirte aus dem Kölner Norden beunruhigt, dass aufgrund der Rauchentwicklung giftiges Acrylnitril auf die Ackerböden in unserer Region niedergegangen sein könnte. Aus diesem Grund wurden Bodenproben und Pflanzenproben auf den Ackerflächen rund um Worringen, Roggendorf/Thenhoven und Umgebung gezogen.

Die Boden- und Pflanzenproben wurden jeweils zweifach gezogen und durch die LUFA (Landwirtschaftliches Untersuchungslabor der Landwirtschaftskammer NRW) einerseits und durch die INEOS andererseits ausgewertet.

Beide Institutionen kamen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass kein Acrylnitril in den Ackerböden und in dem Pflanzenaufwuchs nachgewiesen wurde.”

Günter Hecker

Ob Kleingärtner in Worringer und Roggendorf/Thenhoven den Bodenergebnissen trauen werden oder nicht, wird sich im Frühjahr rausstellen, wenn etwas “Grünes drüber gewachsen ist”. Wer das Vertrauen zu den Behörden nicht verloren hat, wird sicher auch in diesem Jahr Kartoffeln setzen. Dennoch sollte der Zweifel der “Grünen” erwähnt werden, dass das nach dem Schadensfall niedergegangene Regenwasser erst Wochen später die bis zu 25 m tiefe Erdschicht durchdrungen haben wird und somit erst dann das Grundwasser erreicht. Dann sollten die Wasserversorger auf jeden Fall nochmals Werte messen.

WorringenPur.de/09.04.2008
Bericht und Fotos: Heike Matschkowski

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War die Stadt über Teil-Evakuierung nicht informiert?
Warum wurden einige Worringer evakuiert und hunderte andere nicht?

Köln-Worringen
Am Freitag der vergangenen Woche berichteten wir bereits von einer Teilevakuierung, die der Öffentlichkeit zwar nicht bekannt war, jedoch tatsächlich am Tag des Ineos-Störfalls in Worringen vorgenommen wurde. Nach massiver Nachfrage bestätigte die Stadtpresse Köln gegenüber WorringenPur erst am Montag Nachmittag (07.04.08) , also wenige Stunden vor der BV-Sitzung, dass eine „Häuserräumung“ angeordnet wurde. Dies wurde aus Zeitgründen leider nicht auf der BV-Sitzung thematisiert, sodass die Frage, warum nicht das gesamte angrenzende Wohnviertel geräumt wurde, als eine von hunderten Fragen noch geklärt werden muss. 

Interessanterweise erhielt WorringenPur auf der BV-Sitzung (07.04.08) eine Information aus der eindeutig hervorgeht, dass Herr Remmel (Parlementarischer Geschäftsführer und umweltpolitischer Sprecher Bündnis90/Die Grünen) einen Brief an Frau Fasse (Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) sandte, der datiert auf Dienstag, 18. März, u. a. den Hinweis enthält, dass angrenzende Gebäude wegen des Feuers vorsorglich evakuiert wurden.  Dazu können wir nach einem Gespräch der Betroffenen v. li.: Harro Jakob, Silvia Moshage, Mechthilde Jakob und Helmut Schewitzergänzend folgendes berichten:

Montag, 17.03.2008, Further Weg in Köln-Worringen, Später Nachmittag:
Etwa 300 m Luftlinie trennen die Anwohner am Further Weg von der Ineos Köln. Mechthilde Jakob (73), Ehemann Harro Jakob (78), die Enkel Marcel Jakob (30) und Maurice Moshage (10) befinden sich im Haus Nr. 19, als motorisierte Polizei sie  wegen dem Ineos-Vorfall auffordert das Haus dringend zu verlassen. Erst nachdem die freundlichen Polizisten sie zum dritten Mal auf die Gefährdung hinweisen, kommt die Familie der Aufforderung nach, das Haus zu verlassen. Nachdem sie den Strom abgedreht hatten, fuhren sie mit dem Pkw zur Dornstraße um bei Tochter Silvia Moshage zu übernachten. Eine Rückkehr am selben Tag –aus Sorge wegen der nicht gekühlten Lebensmittel im Eisfach und Kühlschrank- wurde Harro Jakob verweigert. Erst am nächsten Tag konnte die Rückkehr erfolgen.

Gleiches erlebte Helmut Schewitz (67) vom Further Weg 15 und Familie Hühnerfuß. Nach einem Besuch beim Arzt wurde Herrn Schewitz gegen 17:00 Uhr durch Straßensperren die Zufahrt nach Hause verweigert. Erst über „Schleich“-Wege erreichte er sein Haus, um benötigte Tabletten zu holen. Übernachtet hat er dann auf Aufforderung der Polizei aber doch in Heimersdorf bei Verwandten.

Komplizierter war es bei der Nachbarin, Maria Maaß. Die alleinstehende 79jährige hat erst kürzlich viel mit gemacht. Nachdem ihr Mann unerwartet verstarb, erlitt sie einen Herzinfarkt, ist wegen ihrer Hüfte extrem gehbehindert. Und jetzt noch die Aufregung wegen dem Ineos-Störfall.  Der Aufforderung der Polizei ihr Haus zu verlassen mochte sie daher zunächst gar nicht nachkommen. „Wo sollte ich denn hin, ich habe hier doch keine Verwandtschaft oder Freunde und kann nur an den Möbeln entlang gehen“, war ihr Einwand. Auch erst nach der dritten Aufforderung verließ sie das Haus im extra herbei gerufenen Peterwagen, der sie zu einer Bekannten brachte, bei der sie schließlich übernachten und essen konnte. Ein aufmerksamer Polizist informierte sie am darauf folgenden Dienstag um 10:00 Uhr, dass sie wieder nach Hause könnte. „Als ich am Montag Nachmittag auf der Couch lag und das Zischen hörte, dachte ich zuerst der Nachbar arbeitet im Garten. Da es aber so laut war und nicht aufhörte, sah ich auch schnell über den Garten die schwarze Rauchwolke ziehen. Dass das brennendes Gas war, konnte ja keiner ahnen“, so Frau Maaß.

Warum aber nun nur diese Anwohner –wahrscheinlich auf Anordnung der Werksfeuerwehr- evakuiert worden sind und nicht das gesamte Wohnviertel, das entlang der Alte Straße und des Hackhauser Weg  liegt ist bisher ein Rätsel. Ob es an den hohen Schadstoffmessungen (Further Weg/AlteStraße, Hackhauser Weg/Widdeshover Weg 20 ppm) in dem Bereich lag oder an einer evtl. bevorstehenden Explosion, kann zum derzeitigen Zeitpunkt leider noch nicht geklärt werden. Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Köln, Herr Feyrer, versprach unmittelbar nach der am Montag stattgefundenen Bezirksvertretungssitzung in dieser Angelegenheit für WorringenPur Erkundigungen einzuziehen, welcher Grund für diese Evakuierung vorlag.

Katastrophale Umstände gab es zum Ineos-Störfall womöglich nicht nur bzgl. Informationspolitik. Da sich Werner Rieck (Feuerwehr Dormagen) bereits vergangene Woche in der NGZ über katastrophale Zustände bei der Ineos während des Störfalls äußerte, wird dies sicherlich auch ein Thema beim Treffen zwischen der Ineosgeschäftsleitung und dem Dormagener Bürgermeister Hilgers diesen Mittwoch gewesen sein.

WorringenPur.de/09.04.2008
Bericht und Fotos: Heike Matschkowski

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