Raubüberfälle in Worringen:
Nach Initiative durch WorringenPur erste Stellungnahmen von Polizei und Politik

Köln-Worringen
Die Raubüberfälle der jüngsten Vergangenheit am Krebelspfad haben in den letzten Wochen wie erwartet zu einigen Diskussionen, weiteren Recherchen und mittlerweile auch zu ersten Reaktionen geführt. Dass die Informationen an WorringenPur teilweise etwas zäh fließen, war zu erwarten, da jede angeschriebene oder angesprochene Person aus Politik und Polizei verständlicherweise zunächst um Sachkunde bzw. weitere Informationen bemüht war.


Unser Worringer Ratsmitglied Birgitta Nesseler-Komp bat aus diesem Grunde um etwas Zeit, die wir auch gerne gewähren. Eine relativ schnelle Antwort auf unseren Fragen  erhielten wir von der Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge. Diese teilte zu unserer Überraschung mit, dass die Bezirksvertretung Chorweiler über derartige Vorkommnisse, wie in Worringen geschehen, nicht von der Polizei informiert wird. „Wir sind hier auf Mitteilungen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Presse angewiesen“, teilte die Bezirksbürgermeisterin hierzu mit. Wie von der Redaktionsleitung von WorringenPur bereits angeregt und geplant, befürwortet auch sie eine Zusammenarbeit und ein Beratungsgespräch mit dem Kölner Kriminalkommissariat Vorbeugung. Hier gab es bereits vielversprechende und schnelle Resonanz seitens der Leitstelle für Prävention. Eine ähnliche Veranstaltung hat es bereits im Sommer in Heimersdorf gegeben. Cornelie Wittsack-Junge bedauert in ihrem Schreiben, dass die Einflussmöglichkeiten der Bezirksvertretung bei einer Lösungsfindung „äußerst gering“ sein werden.  WorringenPur wird sich somit zunächst auf die zu erwartenden Gespräche mit dem Kommissariat Vorbeugung und der Polizei „vor Ort“, den PHK Bönisch und PHK Müsch konzentrieren. Dass allerdings eine Bezirksvertretung, eine Behörde, die für den Kölner Norden zuständig ist, nicht über die Kriminalfälle, die kein „Kinderspiel“ mehr sind, nicht informiert und außen vorgelassen wird, stimmt doch etwas nachdenklich. Wie kann man sich für seine Bürger (und auch Wähler) einsetzen, wenn man als Bezirksvertretung keine Informationen erhält? Die Sicherheit der Bürger ist von derartiger Relevanz, dass es hier keine Grenzen geben dürfte, was den Informationsfluss betrifft. Hier zeigt sich einmal mehr, wie sehr die Arbeit der Bezirksvertretungen durch Beschlüsse des Stadtrates begrenzt wird.

Eine weitere interessante Mail erhielt Frau Matschkowski (Redaktionsleitung WorringenPur) nach einem persönlichen Telefonat mit der Presseleitstelle des Polizeipräsidiums Köln. Hier reagierte Polizei Hauptkommissar Denzin auf einen Fragenkatalog, den WorringenPur den lokalen Politikern sowie der Polizei hatte zukommen lassen. Nach diesem Telefonat erklärte sich PHK Denzin zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit, die wir diesem Beitrag zur Information der WorringenPur Leser anfügen. Diese Antworten haben in der Redaktion teilweise Kopfschütteln ausgelöst und der Leser mag sich hiervon ein eigenes Bild machen. Trotzdem können einige Aussagen nicht ganz unkommentiert bleiben, weil sie den Tatsachen oder anderen Aussagen widersprechen.
Was die Statistik aussagt, interessiert den Worringer Bürger wenig, denn es ist Fakt, dass es auf Worringens Straßen und in Wohngebieten unruhiger und gefährlicher geworden ist. Es wird leider nur in den seltensten und schweren Fällen eine Anzeige erstattet, weil der Worringer keinen Sinn darin sieht, für jede Anzeige, die erfahrungsgemäß letztendlich eine Verfahrenseinstellung zur Folge hat, nach Chorweiler zu fahren. Dass ein „Verdrängungseffekt“ von Chorweiler in andere Vororte nicht festzustellen ist, widerspricht der Aussage eines Polizisten, der einen der Überfälle in Worringen aufgenommen hat. Dieser hat einem Opfer gegenüber klar zum Ausdruck gebracht, dass „seit die Polizeipräsenz in Chorweiler erhöht wurde, sich einige Kriminelle von dort in andere Vororte begeben“.
*Des Weiteren geht PHK Denzin bei seinen Ausführungen davon aus, dass die Bezirksverwaltungsstellen, bzw. Vertreter der politischen Gremien bei den „Regionalen Kriminalkonferenzen“ eingebunden seien. Richtig ist, dass die Stadtspitze in der Sicherheitskonferenz und Vertreter des Rates im Polizeibeirat vertreten sind. Die Bezirksvertretung Chorweiler ist in keinem der beiden Gremien vertreten.

Um Lösungsvorschläge für die angesprochene Problematik auf Stadtbezirksebene zu erarbeiten, besteht die Möglichkeit eines Kriminalpräventiven Rates. Bezirksbürgermeisterin Wittsack-Junge ist derzeit bemüht zu Beginn des kommenden Jahres einen Kriminalpräventiven Rat einzuberufen. „Entsprechende Bemühungen können erst jetzt nach dem erfolgten Wechsel in der Bürgeramtsleitung und bei der Leitung der Polizeiinspektion Köln-Nordwest umgesetzt werden“, so Wittsack-Junge gegenüber WorringenPur.

Man stellt also nach Sondierung der bisher eingegangenen Informationen fest, dass es in Worringen mit Polizei und Politik noch reichlich Klärungsbedarf gibt. Hier reicht es nicht aus, wenn alleine am Krebelspfad zwei Laternen mehr aufgestellt werden, so sinnvoll das auch ist. Und es darf auch nicht gleich jede Jugendgruppe, die sich auf den Bänken am Vereinshaus auf ein Bier im Freien trifft, mit den kriminellen Schlägern in einen Topf geworfen werden. Wichtig ist aber, dass gemeinsam Lösungen gefunden werden, wie Worringen wieder sicherer wird. Hierzu gehört, dass jeder kleine Vorfall, auch wenn er keine schweren oder körperlichen Schäden zur Folge hat, zur Anzeige gebracht wird. Solange das nicht geschieht, wird sich die Worringer Kriminalstatistik weiterhin in einem -für die Polizei- stabilen Zustand befinden, auch wenn der Worringer das anders empfindet. Deshalb sieht die WorringenPur Redaktion mit Erwartung den kommenden Gesprächen mit Politik, Polizei und den Worringern entgegen.


WorringenPur.de/22.11.2010 (hm)
Bericht und Foto: Jakob Mildenberg
Fragen(katalog) an die Polizei:
Heike Matschkowski/Jakob Mildenberg
* = Bericht erweitert