Revitalisierung der Worringer Rheinaue abgeschlossen
Pflanzung der letzten Stieleiche besiegelt „Naturlaboratorium“
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Köln-Worringen
Am Samstag, dem „Tag des Baumes“ wurde mit der symbolischen Pflanzung der letzten Stieleiche die ökologische Ausgleichsmaßnahme der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) in der Rheinaue Worringen-Langel symbolisch fertig gestellt. Insgesamt 275 Bäume und 10.400 Gehölzer und Sträucher wurden in den vergangenen 6 Monaten gepflanzt, 95.0000 m³ Erde mit 30.000 LKW-Ladungen abtransportiert, um ein „Naturlaboratorium“ mit stetigen Veränderungen zu schaffen.

So erwartet den Naturfreund in der Worringer Rheinaue nun ein Naturschutzgebiet, in dem weitläufige Spaziergänge einer Forschungstour gleich kommen, auf der vielfältige zum Teil ungewöhnliche Tier- und Pflanzenarten zu finden sein werden und wo sich die Landschaft durch wechselnd hohe Wasserstände verändern wird. Zu der Revitalisierung der Worringer Rheinaue, die als glückliche Fügung“ bezeichnet werden darf und die in der entgegengesetzten Richtung der Sürther Aue bei Godorf liegt, erklärte Rolf Küppers von der HGK: „In der Sürther Aue konnten wir zu den dortigen 9 ha keine weiteren Grundstücke dazukaufen, um die erforderliche Größe für eine Ausgleichsfläche zu erhalten. In der Worringer Aue war es uns aber möglich weitere 18 ha von einer Vielzahl von Eigentümern zu einem marktüblichen Preis zu kaufen, um die fehlende Ausgleichsfläche auch hier umsetzen zu können.“

Das besondere an dem neu gestalteten Naturgebiet ist, dass eine ehemalige -zum Rhein parallel laufende- Hochflutrinne weiter vertieft wurde und damit ein wechselfeuchtes Biotop nicht nur für Fische und Vögel, sondern insbesondere für spezielle Pflanzen und Amphibien entsteht.

Mit der umstrittenen Erweiterung des Godorfer Hafens um ein viertes Hafenbecken, das  teilweise in einem Naturschutzgebiet gebaut wird, startete die HGK Ende August 2008 mit der Schaffung eines Naturschutzausgleichgebiets, dessen Fläche sich nun über die Sürther und Worringer Aue aufteilt. Reiner Galunder, Sachverständiger für Naturschutz erklärte hierzu, dass das Gebiet westlich der nun vertieften Hochflutrinne vom stark schwankenden Wasserstand des Rheines beeinflusst wird und eine ganz tiefe Stelle hat, die das Überleben zurückbleibender Fische sichern wird. Das ehemalige „ful Loch“ hat ein Flachufer - das östliche Gebiet wird jedoch wesentlich vom Grundwasser mit weniger stark schwankendem Wasserstand abhängig sein. Hier wird das flache Wasser ideal für die Eiablage von Tieren an Pflanzen sein. Schon jetzt wurde die aus Afrika stammende Nilgans und Halsbandsittiche gesichtet. 

Die Übergabe der als Naturschutzgebiet genutzte Worringer Aue fand in Anwesenheit vieler Bürger statt, die zusammen mit Bezirksbürgermeister Kircher, Bernd Jansen vom Worringer Bürgerverein sowie Rolf Küppers von der HGK den Erklärungen der Fachleute lauschten und eine detaillierte Ausstellung vor Ort verfolgen konnten, die die landschaftliche Aufwertung der Worringer Aue skizzierte. Landschaftswart Herbert Jansen, der die Idee zur Pflanzung der jungen Stieleiche als Abschluss der Maßnahmen hatte, zeigte sich ebenso begeistert wie die vielen Interessierten. Namensvetter Bernd Jansen vom Bürgerverein bedankte sich bei der HGK für die Revitalisierung bei Worringen und zeigte sich erfreut darüber, dass für Worringen auch mal etwas für die Schönheit getan wird: „Vielleicht wird man hier schon bald die Forscher auf die Jagd gehen sehen“. „Radfahren und Wandern am Sandstrand oder dem Wellengang der vorbeifahrenden Schiffe zuzusehen, erinnert mich doch sehr an einen Sommerurlaub“, äußerte sich Bezirksbürgermeister Kircher erfreut. Dem kann man sich nur anschließen. Die nachhaltige Schaffung neuer Lebensräume dürfte nicht nur für die Tier- und Pflanzenwelt ein Augenschmaus sein. Bei dem anschließenden Catering, zu dem alle Anwesenden eingeladen waren, fiel schon manches Wort der Begeisterung, wie schön es an diesem Ort sei. Und mancher wäre froh gewesen hier so lange sitzen zu können, bis das neue Fährhotel in Köln-Langel fertig ist. Dem dürfen wir uns anschließen, denn um es mit den Worten von Hans Dünnwald und Hermann-Josef Boes zu sagen: „Nit ömmesöns es et am Rhing su schön!“

WorringenPur.de/29.04.2009
Bericht und Fotos: Heike Matschkowski