„Die Nachbarn laden ein“
Gelungener Start mit Klaus der Geiger und Marius Peters
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Worringen
Der Start ins neue musikalische Jahr kann seitens der Veranstalter „Die Nachbarn laden ein“,  als gelungen betrachtet werden, denn trotz der Worringer Fastelovendszick füllte sich der kleine Saal zum ersten musikalischen Abend des Jahres im Haus Schlösser bis auf wenige Plätze. Nichts anderes wurde auch erwartet, denn mit „Klaus der Geiger“ und seinem musikalischen Partner, dem Kölner Gitarristen Marius Peters, waren zum Start in das neue Musik-Jahr hochkarätige Musiker zu Gast.

Klaus von Wrochem, wie der „Geiger“ richtig heißt, ist 1940 geboren und im Erzgebirge und Berlin aufgewachsen. Für das Musikstudium zog er 1960 nach Köln und hatte dann als Aushilfsgeiger in verschiedenen Sinfonieorchestern und beim WDR musiziert und sein Geld verdient. In den USA arbeitete er bis 1970 als Komponist und kehrte dann in die Domstadt zurück, wo er schnell als Straßenmusiker bekannt wurde und den Namen „Klaus der Geiger“ erhielt. Viele Auftritte bei linkspolitischen Aktionen machten ihn über Köln hinaus bekannt und mittlerweile leitet er das Orchester des Kölner Kunstsalons.

Auch sein musikalischer Partner, Marius Peters ist studierter Musiker, der in Osnabrück und Köln die Musikhochschule besuchte und mittlerweile ein gefragter Gitarrist ist, der es bundesweit und international zu hohen Auszeichnungen mit vielen ersten Plätzen brachte. Er musizierte erfolgreich in verschiedenen Bands und als Bandleader sowie in vielen eigenen Projekten. Die langjährige Bühnenerfahrung und seine Auszeichnungen machen ihn zu einem begehrten Gitarristen. In der Musikschule in Hürth ist der 29-jährige als Musiklehrer aktiv.

Die „ungewöhnlichste Boygroup Kölns“ hatte sich bei einem Konzert in der Martin Luther Kirche zufällig kennen gelernt und es war, musikalisch betrachtet, Liebe auf den ersten Blick, obwohl die beiden -bei 49 Jahren Altersunterschied- Großvater und Enkel sein könnten. Ihre gemeinsame musikalische Größe stellten die beiden dann auch in einem zweistündigen Programm im Haus Schlösser dem Publikum vor, das bereits nach den ersten Liedern in den Bann des Duos gezogen wurde.

Viele bekannte Songs erhielten eigene Texte, wie man sie von Klaus dem Geiger kennt, und nach Titeln wie „Moskauer Nächte“ und „Autumn Leaves“ ging man dann gleich mit den Ölmultis und Energiekonzernen ins Gericht. Bei dem Song „Oh, mir tun die Augen weh“, reimte sich der Text sehr treffend und nicht zufällig auf einen Rheinischen Energiekonzern, der in diesem kritischen Lied nicht gut weg kam. Auch die Öl- und Gaspreise sowie der Hambacher Forst wurden besungen, ebenso wie die Themen Krieg und Frieden. Hierbei wurden die Texte aber teilweise, trotz der inhaltlichen Problematik, derart humorvoll rüber gebracht, dass das Publikum nicht nur wegen der musikalischen Leistung vor Begeisterung klatschte. Vor der Pause brillierte dann Marius Peters mit eigenen Werken, wie „Rabatz am Eierplätzjen-Platz“ und „The Hills of Scotland“. Inspiriert hatten ihn hierzu das Milljöh am Eierplätzchen in der Südstadt, sowie ein Wanderurlaub im Schottischen Gebirge.
Nach der Pause ging es mit dem „Ungarischen Tanz“ und erneut kritischen Tönen zu den Multis weiter, bis Klaus der Geiger dann voller Stolz sein erstes Liebeslied präsentierte. Ungewohnt besinnliche und nachdenkliche Töne, die er seiner Enkeltochter Nora-Helene gewidmet hat. Ein bekannter Monty Python Titel war dann musikalische Basis für einen kritischen Song zum Älter werden, dessen Kernsatz „Steckt mich nicht ins Heim“ war. Auch eine abgewandelte Fassung vom „Mann am Klavier“ beschäftigte sich mit dem Leben, dem Tod und dem Alt werden.

In der abschließenden Zugabe gaben die beiden Musiker noch einmal alles und rockten auf die Melodie von „What shall we do with a drunken sailor“ kräftig ab, aber der „drunken sailor“ wurde durch „kranken Banken“ ersetzt und hier kam bei Klaus ein letztes Mal der alte „Revoluzzer“ raus und er gab seine Meinung zu den Banken nochmals klar, auch an seinem Gesichtsausdruck zu erkennen. Sein letzter Rat zu den Banken hierzu; „lasst sie verhungern, steckt euer Geld unter das Kopfkissen“.
Die musikalische Darbietung, der eigene Text und seine Mimik, waren Anlass für einen rauschenden Abschlussapplaus.

Die Organisatoren von die „Die Nachbarn laden ein“, Barbara Herrlich und Nils Harder, haben somit zum Start in das neue Programm gleich einen Volltreffer gelandet und mit zwei Musikern das Publikum begeistert, die bewiesen haben, dass sie zu den Großen ihrer Szene gehören. Beide beherrschen ihre Instrumente, ihre Stimmen passen zu ihren Songs und das Repertoire ist vielseitig, wenn auch die kritischen Töne in den „Protestsongs“ immer wieder überwiegen. Aber das ist die Musik, die Klaus der Geiger macht, die ihn bekannt gemacht hat und die sein Publikum liebt und hören will. In einem kurzen Satz und auf den Punkt gebracht gesagt: Ein gelungener Abend!

Am 15. März (Hill) und am 12. April (Peter Nonn Blues Band) geht es im Haus Schlösser weiter mit dem musikalischen Programm. Karten sind -wie immer- im Vorverkauf im Haus Schlösser (10,- €) oder an der Abendkasse (12,- €) erhältlich.


WorringenPur.de/12.02.2019
Bericht & Fotos: Jakob Mildenberg
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski