Kostümsitzung der GKG
 voll im Motto „Da jeit uns et Hätz op“
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Worringen
Durchweg glückliche und zufriedene Gesichter waren am Ende der Kostümsitzung 2019 der Großen Karnevalsgesellschaft Köln-Worringen von 1926 e.V. im Vereinshaus zu sehen. Die Frauen und Männer rund um Präsident Markus Hund, die für das Gelingen dieser wunderschönen Sitzung vor, hinter und auf der Bühne verantwortlich zeichneten, waren leicht auszumachen, strahlten sie doch mit den so oft besungenen „Stääne vun Kölle“ um die Wette. Hatte ihnen das Publikum doch ihre monatelange Mühen und Arbeit mit herzlichem Applaus, frenetischen Jubel und der einen oder anderen Rakete gedankt.

Ein glänzend aufgelegter Narrenherrscher Manny I. gewann schnell die Herzen im proppenvollen Saal des Vereinshauses, versäumte er es doch nicht der GKG für die wertvolle Unterstützung in schwierigen Zeiten seiner Löstigen Junge zu danken. Da geschah es zum ersten Mal, was sich an diesem Abend noch sehr häufig wiederholen sollte. Unmerklich begann das diesjährige Motto des Worringer Karneval zu strahlen: Da jeit uns et Hätz op! Von diesem Gefühl getragen und vom Prinzenschlager inspiriert, näherte sich das Stimmungsbarometer schon dem roten Bereich. Und dabei hatte die Sitzung doch gerade erst begonnen.
Weil es im Vorjahr so überaus erfolgreich war, hatten sich Dr. Holger Miebach und der Vizepräsident der GKG Dominik Jansen die Sitzungsleitung geteilt. Unterstützt oder eher gestört wurden sie auch wieder vom „Löllhorn“ Hans-Josef Dittebrand. In der 1. Hälfte prüfte Dr. Holger Miebach die Aufmerksamkeit des Publikums mit der Frage nach der Herkunft des Wurstordens, den alle Auftretenden bekamen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn das bunt kostümierte, närrische Volk, gierte förmlich nach Gesang, Tanz und närrischer Rede und hielt das Stimmungsbarometer während der gesamten Sitzung ständig im und am roten Bereich. Ja, ein- oder zweimal drohte es gar zu überhitzen. Aber die kluge Zusammensetzung des Programms verhütete Schlimmeres.

Los ging es mit dem Kindertanzkorps. Anna Hannebach, die es kaum erwarten konnte, sang mit ihrer Schwester Michelle den Marsch des Kindertanzkorps und 13 kleine und kleinste Mariechen marschierten hinter Fahnenträger Phil Ameis auf die Bühne. Erst mal neugierig in das Publikum geguckt: Wo sind Oma, Opa, Mama, Papa, Onkel, Tante und... fast den Einsatz verpasst. Es ging los. Bezeichnenderweise hatte die neue Leitung der Truppe, Alina Stark und Stefanie Ettrich, den bekannten Hit der Höhner „Jetzt geht’s los“ als Tanz gewählt. Und wirklich, der Püngel Flüh war nicht mehr aufzuhalten. Mit Feuereifer ging es zur Sache, das Publikum geriet schier in Ekstase. Der Lohn für diese Darbietung? Rakete, was sonst!
Nach so viel Aufregung tat ein wenig Ruhe und Besinnlichkeit gut. Ein Kind der Sterne (Fiona Ameis) sollte mit ihrem Lied „Kinder der Sterne“ von den Höhnern dafür sorgen. Das Publikum war sehr gespannt. Schließlich sang die 12-jährige Fiona das erste Mal bei einer Kostümsitzung der Großen KG. Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, und schon riss sie mit ihrer jugendlichen Unbekümmertheit und ihrer schönen klaren Stimme die Besucherinnen und Besucher von den Stühlen. Wie sagte doch das überarbeitete Löllhorn 2.0 am Ende ihres Vortrags: „Dat hät dat Mädche wunderbar jesunge“. Dem war nichts hinzuzufügen.

Es folgten 12 junge Damen. Die weiblichen Tanzgruppen der GKG „De Dilldöppcher“ und „Majorettengarde“ hatten sich vereinigt und unter der tänzerischen Leitung von Saskia Pleißner und Jessica Büscher einen fulminanten Tanz einstudiert. Nach den Klängen von „everytime you touch“ der Gruppe Cascada wirbelten die Mädchen über die Bühne. Wieder kochte der Saal.
Nachdem Hände, Füße, Augen und Ohren schon so reichlich zu tun gehabt hatten, wurde es Zeit, die Lachmuskeln zu strapazieren. Garantin dafür ist seit vielen Jahren Andrea Jansen. In einer gewohnt feinsinnigen, vielen Frauen und Müttern aus dem Herzen sprechenden Rede erzählte sie vom stressigen Ehemann, pubertierenden Jugendlichen, Einkaufserlebnissen etc. Im Prinzip hatte sie sich Gedanken gemacht. So sagte sie, warum es auf der Erde immer mehr Menschen gibt, die Menge der Intelligenz aber seit der Schöpfung gleich geblieben ist. Mit begeistertem Applaus und Bravo-Rufen wurde sie verabschiedet.


Eine Jansen kommt selten allein, erfahrene Sitzungsbesucher bei den Rot-Weißen wissen das. Tatsächlich, der Mutter folgte die Tochter Silke Jansen. Als „Et Silke us d'r Lohn“ trug sie einen alten Gassenhauer der Bläck Fööss vor. Alle im Saal kannten dieses Lied, aber wie sie es vortrug, das war eine Klasse für sich. Der Song hörte sich an, als sei er gründlich entstaubt und gereinigt worden, einfach klasse. Maßgeblichen Anteil daran, wie überhaupt an allen Gesangsdarbietungen in dieser Sitzung trug der neue musikalische Leiter Dr. Siegmund Pchalek. Dieser studierte Musikpädagoge, engagierte Musiker und überzeugte Karnevalist zeigt schon in seinem ersten Jahr als verantwortlicher Leiter, dass er ein Glücksgriff für die GKG ist. Er verschanzte sich nicht hinter dem Klavier, sondern stand wie bei der auf Silke Jansen folgenden Nummer mit der Quetsch auf der Bühne und begleitete die „Brave Mädchen“.
Claudia Hund, Karin Först, Daniela Miebach und Marika Pilz, vier gestandene Karnevalistinnen, die über viele Jahre Bühnenerfahrung gesammelt haben, präsentierten sich als gar nicht brave Mädchen. In ihrem aus Rede und Gesang bestehenden Vortrag machten sie sich Gedanken über Parkplatzprobleme, Kneipenschwund sowie unsäglichem Straßenzustand in Worringen. Wobei sie das Herz von Prinz Manny I. höher schlagen ließen, erfuhr er doch von ihnen, dass offensichtlich extra für ihn die Straße „An den Kaulen“ in Stand gesetzt wurde.

Nach diesem mit viel Beifall und Jubel bedachten Vortrag zog das Funkenkorps der Großen Karnevalsgesellschaft auf die Bühne. Bevor sie ihren neuen Tanz präsentierten, tanzte die Marie mit ihrem Jung. Sabrina Gaugler und Stephan Nosbüsch in ihrem zweiten Jahr als Tanzpaar zeigten, wieviel Sicherheit und Vertrauen sie dazu gewonnen haben und begeisterten das Publikum mit einem herrlichen Tanz. Bei so viel tänzerischer Darbietung hielt es niemanden im Saal auf dem Stuhl. Also wurde es Zeit für eine Pause. Doch bevor diese begann, nutzte der Präsident des Festkomitees Worringer Karneval die Gunst der Stunde, um ein Mitglied der GKG mit dem Verdienstorden in Silber auszuzeichnen. Hans-Werner Mohneke wird diesen Orden zukünftig stolz tragen. Er wurde ausgezeichnet für seine langjährigen Verdienste als Wagenbauer, Zugordner, Fahnenträger Türposten. Sozusagen als jemand, der nach dem Motto lebt: Werde ich gebraucht, bin ich da; werde ich nicht gebraucht, bin ich trotzdem da.

Nach der Pause ging es fulminant los. Mitglieder des Funkenkorps (Markus Hund, Robert Hecker, Inge Hecker, Oliver Wendling, Julian Hund, Valentin Riede, Fabian Kircher), verstärkt durch Anne und Silke Jansen, hatten sich Gedanken gemacht, was denn so während der Sitzungspause auf der Herrentoilette passiert. Mit ihrer herrlichen pantomimischen Umsetzung des Themas brachten sie den Saal direkt nach der Pause wieder auf Betriebstemperatur.
So war der Boden bereitet für Claudia Hund und Marika Pilz, die als Duo „Familijeklüngel“ das Lied „Wenn et Hätz dich röf“ der Höhner darboten. Und schwupps, schon stand Prinz Manny I., dem seine Regentschaft sichtlich eine Herzensangelegenheit ist, mit seinem Hofstaat hinter den beiden auf der Bühne, und unterstützte sie als Backgroundsängerinnen und -sänger.
Nach dieser besinnlicheren Gesangsdarbietung marschierte die Majorettengarde hinter ihrem Fahnenträger Justin Mauer auf die Bühne. Hatten die acht Damen sich vor der Pause ja schon warm getanzt, ging es jetzt so richtig los. Auf ein Medley der Lieder „Kölsch statt Kääsch“ und „Naach zom Daach“ tanzte die Gruppe wie entfesselt über die Bühne. Da rockte der Saal, und ohne eine Zugabe wurde die Truppe nicht von der Bühne gelassen. Und es gab die herbeigesehnte Zugabe. Auf die Hymne der Majorettengarde „La Sorella“ von James Last wurden auch die letzten Kräfte noch freigesetzt und der Saal zum Kochen gebracht. Als gerechter Lohn blieb da nur, eine Rakete steigen zu lassen. Leider musste Sitzungsleiter Dominik Jansen verkünden, dass Hannah Brischke, Jessica Büscher, Silke Jansen und Saskia Pleißner ihre aktive Laufbahn bei den Majoretten beenden.

Nach dieser lauten und schnellen Nummer wurde es still im Saal. De Miebachs betraten die Bühne. Dr. Holger Miebach und seine Frau Daniela besangen in einem gefühlvollen Krätzchen des Colonia Duetts „Mi Kölle draeht en Peelekett“, ein wunderschönes Lied in unserer unverfälschten kölschen Sproch vorgetragen. Frenetischer Jubel war der Lohn für diesen Vortrag und für einen sichtlich gerührten Dr. Holger Miebach, der bis dato schon in vielen Funktionen auf der Bühne stand, an diesem Tag aber erstmals als Sänger.
Den sympathischen Eheleuten folgte mit Herbert Meudt „Ne drüje Pitter“. Seine trockene Art, Witze zu erzählen, kam, wie auch schon in den vergangenen Jahren, beim Publikum außerordentlich gut an. Trafen auch nicht alle Witze den Geschmack des gesamten Publikums, ließ man ihn dennoch nicht ohne Zugabe von der Bühne. Ihm gelang es, trotz später Stunde den Saal zum aufmerksamen Zuhören zu bringen.
Sarah Steven, ebenfalls eine feste Größe als Sängerin bei den Kostümsitzungen der GKG, begeisterte nach Herbert Meudt mit dem Lied „Liebe gewinnt“ von Brings. Ihr schöner Beitrag veranlasste das Löllhorn zu der Aussage: „Bei mir häst de och jewonne“. Ein größeres Kompliment konnte es nicht geben.
Ihr folgten noch einmal die Funken, die mit ihrem Tanz das Ende der Veranstaltung einläuteten. Marietta Wirtz, die seit 35 Jahren mit ihren Liedern die Sitzungsbesucherinnen und –besucher erfreut, hatte als Abschlusslied „Ävver der Dom blieb stonn“ gewählt. Wunderschön trug sie es vor, begleitet von allen Interpretinnen und Interpreten des Abends sowie den Tanzgruppen. Ein herrliches Abschlussbild in rot und weiß. Das Publikum konnte gar nicht genug davon bekommen, und so musste Marietta nochmal von vorn beginnen. Obwohl es ja schon früh am Morgen war, wollte noch niemand nach Hause gehen.


WorringenPur.de/18.02.2019
Bericht: Dieter Trojahn
mit freundl. Unterstützung von Markus Hund
Fotos: Bianca & Thomas Bochem / Norbert Rosendahl
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski